Nach langen Jahren des Schweigens ist es uns als Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt gelungen, mit der Verlegung der STOLPERSTEINE ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus und Ausgrenzung. Ein Zeichen für Toleranz, für Offenheit und Mitmenschlichkeit.
Die Opfer waren unter uns, sie waren unsere Mitmenschen, sie haben ein Recht darauf, niemals vergessen zu werden.
Mit dem Verlegen der Gedenksteine am 6. Februar 2022 ist in Germersheim wahr geworden, woran schon einige Initiativen zuvor gescheitert waren. Germersheim ist damit Teil des globalen Kunstwerks STOLPERSTEINE – Wider das Vergessen – ein Gedenkstein für jedes Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns. Ein STOLPERSTEIN vor dem ehemaligen Wohnhaus des Opfers, dort, wo die Menschen vorher friedlich miteinander gelebt haben, erinnert uns an die damaligen Mitbürger und ermahnt uns, den Holocaust nicht zu vergessen und Position zu beziehen gegen Unmenschlichkeit.
Nicht nur Jüdinnen und Juden wurden gedemütigt, verschleppt, interniert und ermordet. Auch Sinti und Roma sowie psychisch kranke und anders auffällige Menschen, „unwertes Leben“ wie die Nazis es nannten, wurden brutal ausgelöscht. Ihre Geschichte ebenfalls zu dokumentieren, bleibt als wichtige Aufgabe weiterhin offen.
Wider das Schweigen
aus einer Rede von Hape Kerkeling bei der Gedenkfeier zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald – am 13 April 2026:
„Wer heute behauptet, die Geschichte des Faschismus in Deutschland sei ein abgeschlossenes Kapitel, der hat nicht verstanden, dass die bösen Geister von damals nicht in den Ruinen von Buchenwald geblieben sind, sie warten darauf, in verunglimpfender Sprache, bösartiger Hetze, in dumpfem Ressentiment und in der alltäglichen Gleichgültigkeit wieder geweckt zu werden.
Wer die Erinnerung an die Opfer als Belastung empfindet, vergisst, dass diese Erinnerung das Einzige ist, was uns vor einer Zukunft als Täter schützt. Immer lauter und dreister werden die Stimmen, die nach einem Ende der Erinnerungskultur rufen. Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unserer Demokratie.
Die Würde des Menschen ist unantastbar, Artikel 1 des Grundgesetzes, ist die direkte, in Stein gemeißelte Antwort auf die Effektenkammer, auf die Selektion, auf die Vernichtung von Menschen.
Wer diese wertvolle Erinnerung ausblenden will, wer diese Zeit zu einem Vogelschiss herabwürdigen will, der greift unser Fundament an. Eine Gesinnung, die Menschen wieder ausgrenzt, die Gesellschaft spaltet und Verbrechen relativiert, hat auf dem Boden dieses Landes keine Berechtigung.
Wenn heute wieder Kräfte erstarken, die unsere Erinnerungskultur diffamieren, dann ist das ein Schlag ins Gesicht aller Opfer und ihrer Nachfahren.
Wer heute wegschaut oder jenen applaudiert, die die Geschichte umschreiben wollen, macht sich mitschuldig.“



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Alle Kurzbiografien (bearbeitet von Univ. Prof. Dr. Renata Makarska und
ISSN-1618-9663
Prof. Dr. Sabina Matter-Seibel) beruhen auf der Recherche und den Texten von Hans-Jürgen Kremer, Exodus, Vertreibung, Shoah:
Vom Leben und Sterben der Juden aus Germersheim 1933/1945.
Hrsg: Stadt Germersheim, Schriftenreihe zur Geschichte der Stadt Germersheim Band 4 (2021)


